Fußball ist schwul

Das sind auf keinen Fall echte Fußballer.

Nach dem erfolgreichen Wirken von Leonardo da Vinci, Carsten Flöter, Dirk Bach, Oscar Wilde, Elton John, Pedro Almodovar, Klaus Wowereit, Thomas Mann, David Bowie, Rock Hudson, Friedrich des Großen und Alexander des noch Größeren gibt es heute praktisch nur noch zwei offiziell völlig homofreie Berufsgruppen: rechtsradikale Spinner und Profifußballer. Ohne eine direkte Verbindung zwischen beiden Gruppen herstellen zu wollen, lassen sich doch Parallelen in Art, Weise und Intensität der hier anzutreffenden fundamentalistischen Verheimlichung homosexueller Liebe entdecken.

Sowohl bei braunen Kameradschaften, als auch bei berufsmäßigen Ballartisten ist es wohl mehr als nur eine Todsünde, sich öffentlich zum gleichen Geschlecht hingezogen zu fühlen. Schon beim geringsten Anflug eines Verdachts wird hier zwanghaft geleugnet und mit vermeintlich heterosexuellen Attributen um sich geworfen. Die gängigste Devise heißt: Lieber so abstoßend wie ein Eimer voll mit Kuh-Exkrement und so intelligent wie ein Vollkornbrötchen wirken, als irgendwie „schwul rüber kommen“. Während sich Neonazis in solchen Fällen als Zeichen ihrer Heterosexualität meist ein Bild von Eva Braun im Jodelfummel auf den Penis stechen lassen, veröffentlichen Fußballer Enthüllungsbücher oder rülpsen ungefragt in irgendeine Fernsehkamera. Die beiden aktuellsten Beispiele mit Affinität zu Lederbällen (denn darum geht es in diesem Blog ja) heißen Philipp Lahm und Roman Weidenfelder.

Der Dortmunder Schlussmann (auch bekannt als „I think we have a great Saison gespielt“-Romy) kommentierte die erneute Nicht-Berücksichtigung seiner Pranken in der Nationalmannschaft kürzlich mit den Worten: „Vielleicht sollte ich mir einfach die Haare schneiden oder etwas zierlicher werden. (…) Vielleicht gibt es ja in irgendwelchen Jugendcamps noch weitere junge Torhüter, die dann eingeladen werden.“ Für alle, die Weidenfelders voll geschickt verschlüsselte Andeutung nicht richtig verstanden haben, gibt’s hier die Übersetzung: „Alle schwul hier! Außer ich natürlich.“ Nachdem Weidenfelders Sprüche in den vergangenen Tagen für diverse Bugwellen im Netz gesorgt hatten, ließ der Keeper allerdings die Homophobie-Interpretationen der bösen Journalisten flux dementieren.

Philipp Lahm hat eine echte Frau.

Philipp Lahm hat eine echte Frau.

Beim Münchner Kollegen Philipp Lahm kam die ungefragte Richtigstellung angeblicher Homo-Gerüchte etwas weniger bäuerlich daher. Wie er in seiner kürzlich im Alter von 27 Jahren verfassten Autobiographie bekannt gab, wurde der Kapitän der Nationalmannschaft und des Rekordmeisters von einem Fan mit Liebesschwüren bedrängt. Zudem musste er beim Surfen im Internet feststellen, dass Google mehr Einträge mit „Phillipp Lahm ist schwul“ als „Phillipp Lahm ist mit einer echten Frau verheiratet“ auflistet. Von diesem Umstand offenbar zutiefst gekränkt, schrieb er in seinem Buch: „Ich bin nicht schwul. Ich bin mit meiner Frau Claudia nicht nur zum Schein verheiratet, und ich habe keinen Freund in Köln, mit dem ich Wahrheit zusammenlebe“ und ließ einen Ghostwriter rings herum noch ein paar miese Details zu vergangenen Übungsleitern platzieren – um die Resonanz seines Coming-ins zu steigern.

Eigentlich kann man sich angesichts dessen nur fragen: So what? Wen interessiert’s, ob der Kapitän der Nationalmannschaft einen Freund in Köln oder eine Frau auf der Alm sitzen hat? Doch der vor Jahren mit dem Tolerantia-Preis gegen Homophobie geehrte Vorzeigeprofi legt noch einen nach: Im Leben würden er keinem Fußballer raten, sich zur Homosexualität zu bekennen, heißt es in seinem Buch: „Ich hätte Angst, dass es ihm gehen könnte wie dem englischen Profi Justin Fashanu, der sich nach seinem Outing so in die Enge getrieben fühlte, dass er schließlich Selbstmord beging“.

Nicht nur, dass Lahm mit dem beschriebenen Szenario den Primaten in den Fankurven weiter Grund zur Hoffnung lässt, mit dem Grölen von „alte Schwuchtel“, „schwule Sau“ oder dem Tragen von T-Shirts mit dem Schriftzug „Fußball ist homofrei“ könnten sich Fußballer einschüchtern lassen. Durch seine verkürzte und hinsichtlich der Schlussfolgerung sogar falsche Darstellung der Selbstmordgründe des Fußballers werden die angeblichen Gefahren eines Coming-outs sogar noch überdramatisiert.

Einfach ätzend, Herr Lahm.

15 Gedanken zu “Fußball ist schwul

  1. abc

    Die Aussage ist so nicht richtig. Es gibt eine „Vereinigung homosexueller Nationalisten“. Sie sind wohl nicht viele und nicht laut, aber da…

  2. Matthias Puppe Artikel Autor

    @abc: Dank für den Hinweis, diese Formation kannte ich noch nicht. Der Vergleich war allerdings ohnehin nicht gänzlich ernst gemeint. 😉

  3. Leser

    was regt ihr euch auf, das ist ein BLOG, d.h. wir leben in einer freinen Republik wo jeder seine freie Meinung äussern darf und auch soll..und nichts anderes ist hier geschehen…schön tach

  4. du

    @Brauchen Wir
    da hast du wohl was falsch verstanden! Der Kommentar war nicht im geringsten übel gemeint! Wen man schon tolerant sein will dann in jeder Richtung! Und wenn ich Homosexuelle tolerieren soll dann bitte auch die, die es nicht tun.
    Ansonsten geht mir dieses Thema eigentlich am Arsch vorbei (Wortspiel), aber Fussballer mit Nazis zu vergleichen, das hinkt. In wie weit man denjenigen beiden Gruppen Toleranz entgegenbringen will, muss jeder selbst entscheiden.

  5. Leutzscher_88

    Alle reden von tolerieren…. Gut und schön, man soll JEDEN und ALLES tolerieren???
    Man kann es auch Übertreiben, ich z.B. toleriere nicht die Radikaen Szenen egal welchen Lagers. Denn wenn mein Auto nachts angezündet werden würde, würde ich ausrasten!

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