Eine Lösung für (fast) alle Probleme

Sie sind Leipziger, Leutzscher aus tiefster Seele und haben aus eben dieser heraus die Nase inzwischen restlos voll von SG Leipzig Leutzsch, BSG Chemie und vor allem dem Kleinkrieg, der sich zwischen den „Lagern“ entspinnt? Sie können sich auch nicht für den 1. FC Lok oder den Energy-Drink-gepimpten RB Leipzig entscheiden? Ihnen geht die jährliche Betteltour der Dresdner Dynamos bei der öffentlichen Hand langsam auf die Nerven und die Ergebnisse des ruhmreichen 1. FC Magdeburg treiben Ihnen nur noch die Tränen in die Augen? Dann kann Ihnen geholfen werden. Die Lösung all Ihrer Probleme trägt einen wohl klingenden Namen: 1. FC Sachsen 1953 e.V.

Gut, ein bisschen Kompromissbereitschaft wird vom Kleinkrieg geplagten Leipziger Fußballfan schon verlangt. Zum Heimspiel sind es nämlich lockere 319 Kilometer Fahrt, schließlich liegt die neue Pilgerstätte im kleinen Örtchen Sachsen in der Nähe von Ansbach, was wiederum in der Nähe von Nürnberg liegt. Entschädigt würde man nach der langen Anfahrt immerhin mit sportlichem Erfolg. Denn die 1. Herrenmannschaft des 1. FCS führt in ihrer Liga mit neun Siegen aus neun Spielen souverän die Tabelle an. Klar, das Team von Trainer Manfred Hasselmeier spielt „nur“ in einer der unteren Spielklassen des Bayerischen Fußball-Verbandes. Das sollte aber nur die allzu Mäkligen davon abhalten, sich dem Club mit Haut und Haaren zu verschreiben.

Überhaupt hat der 1. FC Sachsen das Zeug zu einem ganz großen sächsischen wenn nicht sogar mitteldeutschen Verein, bringt er doch so viel mit, was auch den Fans anderer Clubs aus der Messestadt und darüber hinaus auf die eine oder andere Weise am Herzen liegt. Da wären zum Beispiel die Vereinsfarben: Blau-Weiß schlägt das Herz des 1. FCS. Wer also des Blau-Gelben überdrüssig ist, könnte hier zu seinen farblichen, sogar mit Meisterschaftsehren dekorierten Wurzeln zurückkehren. Wer indes schlicht unzufrieden ist mit den Leistungen, die Wolfgang Sandhowe und seine Jungs im Fußball-Mekka Magdeburg abliefern, muss sich in Sachen Farbe ebenfalls gar nicht umstellen. Eventuell ließen sich Fanuntensilien also wiederverwenden, mit kleinen Änderungen, versteht sich.

Und dann, ja dann wäre da noch die Sache mit dem Gründungsjahr: 1953 wurde der 1. FC Sachsen aus der Taufe gehoben. Im selben Jahr erblickt auch die SG Dynamo Dresden das Licht der Fußballwelt. Auch hier ergeben sich also Synergien. Zwar müsste der abwanderungswillige Dynamo-Fan noch länger im Auto sitzen, um seine Mannschaft zu unterstützen – nämlich genau 349 Kilometer – tun könnte er dies aber im vollen Bewusstsein von 58 Jahren Vereinstradition. Genau an dieser Stelle ließen sich übrigens auch einige versprengte ehemalige Sympathisanten des RB Leipzig abholen, denen die Aussicht auf etwaige Champions-League-Teilnahmen angesichts der (noch) kümmerlichen Vereins-Vita doch nicht mehr ausreichte.

Wir sind uns also einig: Die Zukunft des mitteldeutschen Fußballs heißt 1. FC Sachsen 1953 e.V. Das nächste Heimspiel unseres neues Herzensclubs steigt am 23. Oktober um 15 Uhr gegen den TV Leutershausen 2. Zahlreiches Kommen ist erwünscht. Und das Problem mit der geographischen Lage lösen wir auch noch. Wäre doch gelacht.

5 Gedanken zu “Eine Lösung für (fast) alle Probleme

  1. FC Kunterbunt

    Liebe Frau Henselin-Rudolph,

    sie haben es mit diesem Blog-Eintrag doch tatsächlich geschafft gleich diverse Fans gegen sich aufzubringen.

    SGD-Fan -> Geht zu Zweitligaspielen und ist derzeit (bis auf die glücksgaserei) sehr zufrieden.

    SGLL/BSG-Fans -> Würden nie einen fremdländischen Verein ertragen, der den altehrwürdigen Namen trägt.

    Ex-RBL-Fans -> Gibts das auch „schon“

    Magdeburger Fans -> Ein Anhaltiner, der zu einem FC Sachsen geht, nur weil die Vereinsfarben gleich sind?

    Also bitte… wenn man hier nicht das Augenzwinkern erkennt, würde man sie doch glatt als Blauäugig sehen.

    Amüsant wars allemal.

  2. Norman

    „Überhaupt hat der 1. FC Sachsen das Zeug zu einem ganz großen sächsischen wenn nicht sogar mitteldeutschen Verein,…“

    Diese Aussage ist falsch und irreführend, denn Sachsen bei Ansbach liegt weder im Freistaat Sachsen noch in Mitteldeutschland. In dem speziellen Fall wird der Verein nicht als „sächsischer Verein“ sondern als „Sachsener Verein“ bezeichnet.

    Die Bekanntmachung des Vereins 1.FC Sachsen 1953 e.V. in der Leserschaft ist sicher ganz amüsant, aber die Verpackung ist eine mittlere Katastrophe. Sie strecken Ihren Beitrag in dem Sie in mehreren Absätzen immer das gleiche wiederholen. Dabei provozieren Sie in dem Sie die mitteldeutschen Vereine herabwürdigen allein durch Geringschätzung der höheren Klassenzugehörigkeit und der damit höheren Leistungsdichte.

    Ich sehe schon die hervoragende Leistung dieses 1.FC Sachsens, aber eben nur in seiner Spielklasse. Nichtsdestotrotz möchte ich behaupten, dass die erste Herrenmannschaft der Sachsen gegen die ersten Herrenmannschaften jeder der von Ihnen genannten Vereine sang- und klanglos untergehen würde.

    Guten Provinzfußball in Blau-Weiß gibt es auch in Mitteldeutschland, nur eben nicht mit einem ähnlich klingenden Namen eines überregional bekannten Vereins, der übrigens FC Sachsen Leipzig 1990 e.V. heißt. Heißt, desshalb weil der Verein selbst noch existiert.

    Um bei dem Thema die wahrscheinlich gewollte ironische Note zu verpassen, sollte sie wesentlich besser herausgearbeitet werden.

  3. agua bendita ica

    Excellent read, I just passed this onto a colleague who was doing a little research on that. And he just bought me lunch since I found it for him smile Therefore let me rephrase that: Thanks for lunch! „By nature, men are nearly alike by practice, they get to be wide apart.“ by Confucius.

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