Fußball ist keine Feuchtigkeitscreme

Es wird Zeit, dass ich mich zum Höhlenmenschentum bekenne. Anstatt den Anforderungen der Moderne zu folgen, sitze ich lieber im blutigen Hyänen-Latz am Lagefeuer, brutzele kleine Nagetiere über der Flamme und kratze mir deren Verwandte von den Fußsohlen. Ich bin wirklich zufrieden damit, denn es könnte ja alles noch viel schlimmer sein. Hätte es das Schicksal schlecht mit mir gemeint, wäre ich heute ein erfolgreicher Fußballer oder Trainer im Rampenlicht und müsste mir Gedanken über die richtige Feuchtigkeitscreme für meine Pranken oder über die Wuchsrichtung meiner Kopfmatte machen.

Joachim Löw ist solch ein wirklich bedauernswerter Mensch. Der Chefideologe der Deutschen Feuchtigkeitscreme Bewegung (DFB) wurde kürzlich von einer Schein-Journalistin für eine große Tageszeitung interviewt. Und seitdem die ausführliche Abschrift des Gesprächs erschienen ist, möchte ich eigentlich bis zum Ende meiner Tage nur noch am Höhlenfeuer sitzen und meine Nasenhaare bis zum Oberschenkel wachsen lassen. Lieber den Errungenschaften der Zivilisation vollkommen entsagen, als so etwas länger ansehen oder lesen zu müssen.

Über geschätzte 40 Zeitungsseiten hinweg bekennt Löw im Text nicht nur mannigfaltig seine innige Beziehung zur Firma Nivea. Er schafft es auch, dem Fußball als letzte Bastion gegen die Lagerfelds und Glööcklers dieser Welt jede Würde zu nehmen. Eigentlich kann das Interview nur komplett ausgedacht oder wenigstens völlig frei erfunden sein – so absurd wirken Löws Antworten mitunter. Ein echter „Tom Kummer“ eben. Aber nein … nein, diese Welt ist offenbar wirklich böse. Nach der Auslöschung des Milchkaffees durch den Lattenkaffee hat mir Nivea-Jogi nun auch meinen Lieblingssport kaputt gemacht.

Und dabei habe mir wirklich alle Mühe gegeben, die Zeichen der Zeit zu tolerieren. Beispiele gefällig? Ich konnte akzeptieren, dass ein englischer Hübschling mit den Klamotten seiner Freundin (oder wie man damals sagte, ob seiner Metrosexualität) zum berühmtesten Fußballspieler der Welt wurde – obgleich er nur passable Freistöße und Flanken beizutragen hatte. Ich sehe darüber hinweg, dass eine Shampoo-Flasche bestbezahltester Frühstücksmanager des hiesigen Spitzenfußballs geworden ist. Ich versuche sogar die latent halbnackte Sumpfschwalbe Christiano Ronaldo irgendwie zu ertragen. Aber irgendwann endet eben auch meine Leidensfähigkeit.

Im Prinzip muss ich Dagmar von Taube sogar dankbar sein: Denn aufgrund ihres Gesprächs mit Joachim Löw weiß ich nun, dass die Grenze erreicht ist. Nivea ist kein Fußball bzw. das Niveau der Feuchtigkeitscreme bewegt sich weit unter dem Nivea des Fußballs bzw. Feuchtigkeitscreme verhält sich zu Fußball wie Niveau zu Nivea … ach, egal. Leute, Ihr wisst schon was ich meine!

Will noch jemand halbrohe Erdhörnchen am Holzspieß?

3 Gedanken zu “Fußball ist keine Feuchtigkeitscreme

  1. Chie

    Sicher, der Artikel in der Welt war hochgradig peinlich.
    Aber die LVZ sollte auch mal den Ball flach halten. Gerade auf der Internetseite klappt das auch nicht immer ganz sauber mit der Trennung zwischen Redaktionellem Beitrag und Werbung.
    Da werden ja auch mal Werbespezial, genauso gestalltet wie redaktionelle Beiträge und mitten unter den Beiträgen plaziert.
    Oder bei Gewinnspielen öfter mal der Hinweis „Anzeige“ vergessen.
    Da hat ja sogar Bild.de in letzter Zeit dazugelernt. Oder viel Lehrgeld bezahlt 😉

  2. miles002

    Christiano Ronaldo ist in der tat schwer zu ertragen, geht aber irgendwie, da er ja eh kaum das Tor trifft.

    Als ich das Interview gelesen habe, wusste ich auch nicht, ob ich lachen oder weinen soll.

  3. Pingback: Bekenntnisse | rotebrauseblogger

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