Karten auf den Tisch

Leipzig. Die Fanherzen schlagen höher, die Fachwelt ist entzückt: Im Wettstreit um die Krone der Bundesliga ist so viel Spannung drin, wie seit langem nicht. Gleich vier Vereine rangeln um den Spitzenplatz. Das wird eine großartige Rückrunde! Doch wo Freude ist, da gibt es auch Leid. Oma Mathilde aus Liebertwolkwitz (82) hat gerade schluchzend in der Redaktion angerufen: Sie fragt, auf welchen Titelaspiranten sie ihre magere Rente setzen soll, damit es am Ende auch zur Traumschiffreise reicht? Wir lassen uns nicht lumpen und veröffentlichen deshalb schon mal weltexklusiv für Mathilde:

Die Abschlusstabelle der Bundesliga-Saison 2011/2012

1. FC Schalke 04. Es gibt eigentlich nur zwei mögliche Gründe, warum Schalke tatsächlich noch einmal Meister werden kann. Und beide treffen diese Saison aufeinander: Ende des Jahres geht bekanntlich die Welt unter und im Ruhrpott droht das fußballerische Ungleichgewicht wieder einmal apokalyptische Ausmaße anzunehmen. Wir wissen nicht, ob sich beides bedingt, aber zur Rettung der gesamten Menschheit MÜSSEN die Knappen dieses Jahr Meister werden.

2. Borussia Dortmund. Ja, wie? Dortmund wird nicht Meister? Eigentlich unmöglich angesichts des schwarz-gelben Traumfußballs dieser Tage. Allerdings veröffentlicht eine spanische  Boulevardzeitung kurz vor Saisonende unscharfe Fotos von Jürgen Klopp im Vereinsheim von Real Madrid. Das wiederum bringt Roman Weidenfeller so aus dem Tritt, dass er eine ganze Träne verdrücken muss. Die ganze Mannschaft ist ob dieser ungekannten Sensibilität schockiert und verliert am letzten Spieltag gegen Absteiger Freiburg mit 0:5.

3. Borussia Mönchengladbach. Gladbachs Trainer Lucien Favre hofft auch zehn Minuten vor Abpfiff der Saison innerlich noch immer auf das Erreichen des Nichtabstiegsplatzes. Glückwunsch, das wäre ja nun geschafft!

4. Bayern München. Hahaha, Manuel Neuer. Der ultrasympathische Gelsenkirchener Jung ist extra zum Rekordmeister gewechselt, um mal einen Titel zu holen. Jetzt haben ihn seine Ex-Kollegen aber gehörig verkackeiert. Egal, Schwamm drüber. Dafür darf Manuel ein paar Wochen später das Europameister-Blech in die Höhe recken.

5. Werder Bremen. An der Weser ist man froh, dass Ex-Sturmröllchen Ailton im Dschungelcamp nicht zufällig die PIN-Nummer von Zieh-Papa Thomas Schaaf ausposaunt hat. Die Erleichterung wird prompt auch auf dem Rasen spürbar – zumindest solange, bis Marco Arnautovic im Juni seine Camp-Teilnahme für die nächste Staffel bekundet. Immerhin: Es reicht noch für Platz fünf!

6. Bayer Leverkusen. Das rechtsrheinische Vizekusen und der Trainerfuchs aus dem linksrheinischen Köln – das konnte ja nicht gut gehen. Nimmt man noch den selbstbewussten Michi aus dem Südsächsischen dazu, ist es eigentlich ein Wunder, dass das Aspirin-Mekka nicht schon unter der Saison einfach mal so explodiert ist. Dank der Pferdelunge von Lars Bender reicht es immerhin noch zu Platz sechs.

7. FSV Mainz 05. Nachdem die Mainzer Bubis letzte Saison Guido Schäfers rotes „Buch der Glückseeligkeit“ in einem verlassenen Kabinenspind gefunden und alle darin enthaltenden Telefonnummern durchprobiert hatten, kehrt anno 2012 wieder etwas Ruhe ein. Die Jungs haben nun wieder Zeit für Fußball und landen folgerichtig auf einem respektablen siebenten Platz!

8. TSG Hoffenheim. Für Club-Mäzen Dietmar Hopp war es wieder eine sehr aufschlussreiche Saison. Größter Distinktionsgewinn 2011/2012: Auch mit einem supernetten Trainer aus dem Metropolenkiez lässt sich kein Dorfverein in eine fußballerische Topadresse verwandeln. Nächste Runde!

9. Hannover 96. Die Niedersachsen waren diese Saison kaum zu schlagen. Angesichts der ewigen Rekordmarke von zwölf torlosen Unentschieden in Folge ist aber nicht mehr drin als der schlechteste einstellige Tabellenplatz der Liga. Immerhin: Wolfsburg ist schlechter. Mehr muss nicht sein.

10. VfL Wolfsburg. Nachdem Felix Magath in der Winterpause 52 Nachwuchstalente aus aller Herren Länder in die Autostadt transferiert hatte und zwei zusätzliche Mannschaftsbusse angeschafft wurden, teilte ihm der DFB mit, dass er trotzdem weiterhin nur maximal 14 Spieler pro Partie einsetzen darf. Diesen Schock konnte der Meistermacher nur schwer verwinden.

11. 1. FC Nürnberg. Unbemerkt von einem Großteil der Journalisten, Fußballfans und Spielerfrauen beendeten die Franken diese Saison im Niemandsland der Liga.

12.  1. FC Kaiserslautern.  Oh ja, ach so. Kaiserslautern hat diese Saison auch mitgespielt.

13. VfB Stuttgart. Wo ist eigentlich Bruno Labbadia abgeblieben? Schon in der zweiten Bundesliga oder bei den Saudis? Ach nein, es gibt ja noch den ehemaligen Spitzenclub VfB Stuttgart, dessen Fortbestand im Oberhaus seit Jahren von den Toren eines gewissen Cacau abhängig ist. Der Stern des Nationalspielers sinkt allmählich. Bruno konnte den freien Fall noch stoppen. Vorerst.

14. Hamburger SV. Apropos freier Fall. Dank des angewandten Fachwissens des Mannes mit dem Bayern-Gen (Trainer Torsten Fink) konnte der Sturz der Hanseaten in die zweite Liga gerade noch so verhindert werden. Allerdings ist das vogelfreie Hantieren mit dem Erbgut ja keine unumstrittene Wissenschaft. Das zeigte sich auch beim HSV. Nachdem die Hanseaten Mladen Petric mit sich selbst vermehrt und in allen Mannschaftsteilen gleichzeitig aufgeboten hatten, quittierten die einflussreichen Hamburger Ökotras ihre langjährige Anhängerschaft und wechselten zum FC Altona.

15. 1. FC Köln. Auch in der Domstadt wünschte man sich die Fink´sche Gentechnik, um Lukas Podolski vermehren zu können. Der ließ Mitte Februar aber in einer großen Boulevardzeitung erklären: „Es gibt nur einen Lukas Podolski und der schaut mich jeden Morgen im Spiegel an.“ Trainer Stale Solbakken führte daraufhin die Neuner-Abwehrkette mit hängender Podolski-Spitze ein. Und siehe da: Der Mann in Podolskis Spiegel schoß den FC zum Klassenerhalt.

16. Hertha BSC. Der 1. FC Union Berlin war in den 1980er Jahren eine der latent benachteiligten Fahrstuhlmannschaften des Ost-Fußballs. Schließlich gab es ja den Mielke-Club am anderen Ende der Stadt. Hertha knüpft nun an diese Tradition an und fährt auch Fahrstuhl. Allerdings ohne vorher von Mielkes Schergen benachteiligt worden zu sein. Die Herthaner stehen sich einfach immer selbst im Weg. So auch beim Relegationsspiel gegen den Dritten der zweiten Bundesliga. Und der heißt, na klar, 1. FC Union Berlin.

17. SC Freiburg. Den Freiburgern erging es in den letzten Jahren wie den Stuttgartern: Nicht viel los auf dem Platz, aber vorn ein treffsicherer Stürmer. In der Winterpause zog es den 37-Tore-Mann Papiss Demba Cissé zu den Magpies nach Newcastle. Und im Breisgau musste man lernen: ohne Tore, keine Punkte.

18. FC Augsburg. Ein FC Augsburg spielt einfach nicht in der ersten Bundesliga. Am 5. Mai gegen 17 Uhr wussten das auch die Augsburger selbst.

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