Berlinale 2017 – Monologe eines kopflosen Mannes

Nach der gescheiterten Liebesgeschichte mit einem verheirateten Regisseur reist Schauspielerin Younghee nach Hamburg. Gemeinsam mit einer Freundin unternimmt sie Streifzüge durch die fremde Stadt. In Gesprächen erkundet sie das Wesen der Liebe und die Männer. Wird ihr der Geliebte in die Fremde folgen? Wie stark ist sein Sehnen nach der verschwundenen Geliebten?

In zwei Kapiteln umkreist „Bamui haebyun-eoseo honja“ (On the Beach at Night Alone) von Hong Sangsoo im Internationalen Wettbewerb der Berlinale in immer wiederkehrenden Motiven das Leben, die Liebe und die Männer. Younghee reist nach Korea zurück, trifft alte Freunde. Man isst und trinkt. Raucht gemeinsam im Regen, am Strand. Ziellos mäandern Film und Motiv von Essen zu Essen, von Begegnung zu Begegnung. Younghee kreist beziehungslos nur um sich selbst. Sie ist die Königin, an der sich alle orientieren. Je mehr sie trinkt, um so hysterischer und schriller wird sie. Das Sehen nach Bindung, nach wahrhaftiger Liebe bleibt eine leere Behauptung.

Schaut nur, wie schön sie ist – hat man es ihr immer noch nicht oft genug gesagt? Wie hat der Schmerz sie reifen lassen und nicht attraktiver gemacht. Wer ist berechtigt zu lieben und geliebt zu werden? Younghee scheint berufen, darüber ein Urteil zu fällen. Ermattet von all dem Gezeter schläft Younghee immer wieder alleine am Strand ein. Wie friedlich ist es, dem Rauschen der Wellen zu lauschen.

Läuse, Karies und wilde Tiere

Brasilien im 18. Jahrhundert. In den portugiesischen Kolonien versiegen die Goldadern. Zu uns spricht, durch Nacht und dichten Regen, ein aufgespießter Schädel auf einem Holzpfahl. Da hat sich einer für die gerechte Sache geopfert. Was ist passiert?

Unter-Leutnant Joaquim wartet auf seine Beförderung und eine stattliche Belohnung für seine erfolgreiche Jagd auf Goldschmuggler, um endlich seine Sklaven-Geliebte freikaufen zu können. Eine riskante Expedition zur Erschließung neuer Goldquellen soll endlich Ruhm und Reichtum bringen. Kopfläuse, Parasiten und allerlei gefräßiges Getier machen den Männern das Leben zur Hölle. Die Suche nach Gold führt die Gruppe um Brasiliens Nationalhelden Joaquim immer weiter ins Niemandsland.

Nachts wird es sehr dunkel im brasilianischen Regenwald, vor allem wenn kein Feuer brennt. Gut, dass eine unruhige Handkamera das im Wettbewerbsbeitrag „Joaquim“ von Marcelo Gomes wiederholt für uns einfängt. Soldat, Goldsucher, Zahnarzt – der Mann mit kariösem Gebiss und starkem Kopflausbefall kann einfach alles. Die offensichtlich wertvollen Steine, die er aus einem Gewässer klaubt, werden ihm von den korrupten Machthabern abgenommen. Frau futsch, kein Gold, keine Beförderung – Zeit, den eigenen Standpunkt zu überdenken. Joaquim schließt sich der Freiheitsbewegung an, der Rest ist Geschichte.

2 Gedanken zu “Berlinale 2017 – Monologe eines kopflosen Mannes

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