Und bist du nicht willig …

Man ist in einer Stadt erst so richtig angekommen, wenn man beim örtlichen Ikea alles Wesentliche, was der Mensch zum Wohnen braucht, eingekauft hat. Wie gestern aus gut informierten Kreisen zu erfahren war, gibt es aber auch Menschen, die dort immer und immer wieder nur Messer kaufen. Warum auch nicht, es können nicht immer nur Teelichter sein.

Der Inbusschlüssel - Der Schlüssel zur IKEA Welt. (c) Inter IKEA Systems B.V.

Auch bei mir soll das Leben aus blauen Kunststoff-Säcken ein Ende finden. Mildtätige Menschen mit großem Auto und eben solchem Herzen waren gefunden, bereit diesen schweren Weg mit mir gemeinsam zu gehen.

Dank akribischer Vorabrecherche verlief der Einkauf geordnet und ohne größere Zwischenfälle. Die wichtigste Anschaffung des Abends sollte eine Kleiderstange sein. Dieses Vorhaben drohte kurz an der Nichtauffindbarkeit des gesuchten Gegenstandes in der SB-Halle / Regal 17 / Fach unbekannt zu scheitern. Die Begleiterinnen griffen mir vorsorglich schon einmal beherzt unter die Arme, um im Falle größerer Ausfallerscheinungen für eine schnelle Entfernung meiner Person aus dem Möbelhaus sorgen zu können.

Am Ende ging alles gut.

Zur Belohnung gab es schwedische Zimtröllchen für alle.

Die Sonne war schon lange untergegangen, als in den heimischen vier Wänden der irre Plan in die Tat umgesetzt wurde, schnell mal noch einige Dinge zusammenzubauen. Ein kleiner Tisch entstand in weniger als zehn Minuten. Auch das Montieren der Kleiderstange schien keine Hürde darzustellen und vor dem geistigen Auge flatterten Hemden und Hosen schon fröhlich auf ihren ebenfalls neuen Kleiderbügeln.

Die ersten Schrauben glitten auch wie geschmiert ins Gestänge.

Dann nicht mehr.

Die dafür vorgesehenen Löcher einer Stange waren nicht groß genug.

Einem ersten Moment der Ungläubigkeit folgte milder Zorn. Dennoch gelang es emotional kontrolliert noch einmal alle Schrauben zu zählen, mit den Typen-Nummer zu vergleichen und erneut Schritt eins bis drei der Montageanleitung nachzuvollziehen.

Zwischen die Kleiderstange und mich hatten sich zwei zu kleine Löcher gestellt. Die Existenz war binnen Minuten auf die ewige Frage Mensch gegen Bohrloch zusammengeschrumpft. Der Mensch ist mit Teflon-Pfannen auf den Mond geflogen und hat mittels Alkohol die Blut-Hirn-Schranke überwunden – diese Schrauben würden mich nicht in die Knie zwingen. Nicht hier und nicht heute.

Gewalt scheint in diesen Fällen nicht nur eine Option, sondern auch die einzig adäquate Lösung. Ohne geeignetes Werkzeug macht Gewalt aber wenig Freude und ist auch nur bedingt zielführend.

Mittels Metallstange gelang es einen kleinen Bolzen durch das Gestänge zu schlagen und ordnungsgemäß zu verschrauben. Aber was einmal gut geht, muss kein zweites Mal gelingen.

Das Einschlagen auf Gegenstände zu nachtschlafender Zeit sollte nicht allzu lange betrieben werden, insbesondere wenn man die eigenen Nachbarn nicht kennt, geschweige denn mit ihnen Blutsbrüderschaft geschlossen hat.

Man kann in solchen Momenten weinen, schreien, nach einem gerechten Gott rufen oder mit ihm brechen, allein das Loch bleibt klein.

Die Frage, die schlussendlich gestellt werden muss ist: Wie viele Schrauben braucht so eine Kleiderstange tatsächlich, um lebensfähig zu sein. Was, wenn am Ende einfach eine übrig bliebe. Werden Jacken und Röcke zu Schaden kommen und ist das, bei einer sorgfältigen Abwägung aller bekannten Risiken eine Verantwortung, die ich bereit bin für meine Bekleidung zu übernehmen?

Der Mensch unterfliegt auf Sicht Aschewolken – letztlich musste eine Entscheidung für das Spiel mit dem Feuer fallen. Eine Schraube-Bolzen-Kombination ist mir erhalten geblieben. Die Kleiderstange hat ihre erste Nacht unter Vollbelastung gut überstanden.

Für das nächste Möbelstück hätte es einen Kreuzschlitz-Schraubendreher gebraucht. An dieser Stelle war ich bereit, die eigene (temporäre) Limitierung anzuerkennen. Der Rest muss warten. Aber ich komme wieder.

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