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Ein Koffer voller Fahrräder

Denkt ihr euch auch so gern Geschenke für eure Liebsten aus wie ich? Gerade nach meinem letzten Interview mit Alex Rex, dem Gründer von Rasant, habe ich ein bisschen genauer darüber nachgedacht, warum das eigentlich so ist. Klar, anderen eine Freude zu bereiten, macht immer Spaß, gibt Selbstbestätigung und schafft eine gemeinsame Verbindung. Aber eigentlich geht es beim Schenken doch noch um viel mehr:  Man zeigt, dass man sich Gedanken macht. Dass man sein Gegenüber wirklich kennt – oder zumindest halbwegs. Und nicht zuletzt gibt man auch ein Stückchen davon preis, wer man selbst ist, beziehungsweise wie man sich sieht und von anderen gesehen werden will. Alex‘ Idee, stilvolle Mini-Holzfahrräder als Spielzeug und Geschenkartikel anzubieten, fand ich vor diesem Hintergrund besonders interessant. Geht es dem jungen Künstler wirklich darum, Kinder mit alternativem Spielzeug zu erfreuen? Oder ist seine Zielgruppe nicht eher die Eltern- und Großeltern-Generation, die sich so mit schickem, politisch korrektem Spielzeug bei Geburtstagen und Taufen profilieren kann? Auf dem Dach der Höfe am Brühl habe ich dem jungen Künstler mit dem Koffer voller Fahrräder ein wenig auf den Zahn gefühlt.

Alex, deine Fahrräder sind bei unseren kleinen Besuchern im STARTER SPACE der absolute Renner. Wie bist du auf die Idee gekommen?

Mir ist aufgefallen, dass Kinder, wenn sie zwei, drei Jahre alt sind und gerade ihre wichtigsten motorischen Fähigkeiten entwickeln, sofort ein vierrädriges Spielzeug in die Hand gedrückt bekommen. Ich finde, in einer Gesellschaft, in der wir nachhaltiger leben möchten, uns nachhaltig ernähren und uns sportlich betätigen, um gesund zu bleiben, ist ein Auto eigentlich kein ideales Vorbild. Warum legen wir unseren Kindern immer noch diese Autos in die Wiege? Ich würde das nicht verbieten wollen, aber ich möchte eine Alternative zeigen.

Hast du selber schon Kinder? Lebst du besonders nachhaltig? Was stand am Anfang der Entwicklung der Fahrräder von Rasant?

Ich habe noch keine Kinder, aber auch kein Auto. Im Sommer vor zwei Jahren habe ich begonnen selbst viel an Fahrrädern zu basteln. Ich habe sie auseinander und wieder zusammengebaut und war total euphorisch. Parallel habe ich mich im Rahmen eines Uniprojektes mit Kinderspielzeug befasst. Eigentlich sollten wir Puppen gestalten, waren dabei jedoch sehr frei in jegliche Richtung. Ich habe mir damals gesagt: „Nee, meine Protagonisten sind keine Menschen, das sind Fahrräder!“ So habe ich angefangen, Fahrräder zu entwerfen. Zu Beginn sahen die auch noch sehr realistisch aus. Aber ich habe gemerkt: Das funktioniert nicht. Die sind zu kompliziert, gehen schneller kaputt – ich muss reduzieren! Gerade das fand ich spannend. Von einem realen Fahrrad zur Miniatur zu kommen und diese weiter zu vereinfachen. Das war der Prozess, in dem diese Form entstanden ist.

Meinst du denn, dass du mit deinen Holzfahrrädern wirklich etwas im Kopf der Kinder bewegen kannst? Schließlich werden wir ja auch auf der Straße ständig mit Autos konfrontiert. Außerdem erscheint mir die Form deiner Fahrräder so simpel, dass man sie auch für Motorräder halten könnte.

Es gibt schon kleine Details, die auf Fahrräder hinweisen, wie z.B. die Klingel. Ich habe die Form generell aber so einfach gelassen, damit die Fahrräder für kleine Kinder gut greifbar sind. Natürlich kann ich nicht viel beeinflussen. Vor allem, weil das Auto so dominant ist für Kinder. Auch von der Lautstärke her. Und von der Größe her. Wie gesagt, ich möchte es auch nicht verbieten. Mir ist es einfach wichtig, eine Alternative ins Kinderzimmer zu bringen.

Also sind deine Produkte vielleicht auch gerade für Eltern, Paten oder Freunde, die mit ihrem Geschenk zum Kindergeburtstag ein Statement setzen wollen?

Ja, da sehe ich mich schon.

Also ein Produkt, das eher auf die Erwachsenen abzielt, als auf die der Kinder?

Mir ist bei der Recherche aufgefallen, dass das was Kinder eigentlich geil finden meistens aus Plastik, bunt und laut ist. Das sind einfache Reize, auf die Kinder anspringen. Ein Kind würde vielleicht nicht automatisch zum Holzfahrrad greifen, wenn es in einem riesengroßen Spielzeugladen steht. Aber die Eltern wählen ja auch aus, was sie ihrem Kind zum Spielen geben. Und was sie ihrem Kind mitgeben wollen, in der Erziehung. Insofern sagt vielleicht nicht das Kind „Ich will das unbedingt haben“, aber die Eltern schon.

Bei deinen Fahrrädern gibt es verschiedene Modelle für verschiedene Altersgruppen.

Genau. Eigentlich gibt es so eine kleine Fahrradfamilie: das normale Fahrrad für Zwei- bis Dreijährige, das vor und zurück rollt. Das ist sehr simpel. Dann gibt es das Hochrad. Das macht noch einen geschichtlichen Kontext auf: Wo kommt das Fahrrad eigentlich her? Hat das Fahrrad selbst auch eine Entwicklung durchlaufen? Und darüber hinaus habe ich Lastenfahrräder, die schon ein bisschen komplizierter sind: Man kann Sachen abnehmen und Transportbehälter aufstecken. Es gibt eine Lenkung. Auch von der Form her sind sie komplexer. Sie sind schon eindeutiger in Verbindung zu bringen mit den Fahrrädern, die Kinder auch von der Straße kennen.

Für die älteren Kinder wird das vielleicht auch irgendwann uninteressant. Aber nach der Pubertät holt man sein Holzfahrrad ja möglicherweise wieder raus, z.B. wenn man sein erstes Rennrad hat, und dann freut man sich wieder darüber.

Sozusagen als Deko und Erinnerung?

Ja, dann ist es ein Designobjekt, das in der Erwachsenenwelt auch seine Berechtigung findet und auch eine Langlebigkeit hat, von der Kindheit bis zum Erwachsenenalter.

Ich selbst bin auf jeden Fall ein großer Fan von nachhaltigem Holzspielzeug. Als kleines Mädchen hatte ich einige Spielsachen, die sich bereits in der Kinderstube meiner Mutter und Großmutter befanden. Dass Unternehmer wie Alex Rex Produkte schaffen, die wirklich langlebig sind, die man sich auch als Erwachsener noch gern ansieht und sogar von Generation zu Generation weitergeben kann, gefällt mir sehr gut. Aber überzeugt euch lieber selbst. Die Räder aus Alex‘ rotem Koffer könnt ihr aktuell im STARTER SPACE begutachten – und natürlich auch kaufen und verschenken.

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