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Leipzig fluxt

Wer pustet heute mein Schwimmtier auf? – Wenn ihr beim Badengehen genauso ungern nass werdet wie ich, hat euch diese Frage bestimmt auch schon oft Kopfzerbrechen bereitet. Die gute Nachricht ist: Ab sofort seid ihr in solchen Lebenslagen absolut unabhängig von nachgiebigen Freunden und Verehrern. Mit dem Fluxbag befüllt ihr schwimmende Einhörner, Flamingos oder Schwäne ohne mit der Wimper zu zucken in Sekundenschnelle selbst mit Luft. Die praktische Erfindung erhaltet ihr aktuell im STARTER SPACE. Wie das Ganze funktioniert, hat mir Fluxbag-Mitgründer Jens Thiel im Interview auf dem Dach der Höfe am Brühl verraten.

Jens Thiel hält zwei Fluxbags in die Höhe
Jens Thiel hält zwei Fluxbags in die Höhe

 

Jens, ich habe bei Freunden schon Luftsäcke gesehen, die dem Fluxbag ziemlich ähnlich waren, aber – wie ich inzwischen erfahren habe – einen ganz anderen Zweck erfüllen. Bestimmt geht es einigen unserer Leser ebenso. Bitte erkläre doch mal kurz den Hintergrund.

Ja, da hast du den Fluxbag mit Luftsofas verwechselt. Die sind zum draufsetzen. Und der Fluxbag ist eine Luftpumpe. Beide sind aus Nylon oder Polyester, aber der Fluxbag ist kein Luftsofa, wie ein Auto kein Fahrrad ist. Mit dem Fluxbag kannst du alles Mögliche aufblasen. Wir verkaufen ihn in den Größen 100 und 140 Liter. Damit bekommst du schon eine Luftmatzratze in einem Zug aufgeblasen oder ein mittelgroßes Schwimmtier.

Du hast Fluxbag gemeinsam mit Lucas Richter gegründet. Wie seid ihr auf die Idee gekommen?

Im Mai 2016 haben Lucas und ich entschieden, dass wir zusammen ein Unternehmen aufbauen wollen. Wir haben zunächst ein multifunktionales Strandtuch entwickelt. Ein Teil davon war ein aufblasbares Kissen, das wir am Strand schmerzlich vermisst haben. Dann dachten wir aber: „Aufblasen! – Oh Gott, das will doch keiner!“. Also haben wir zwei, drei Sachen zusammengezählt, unter anderem auch die vorhin besprochenen Luftsofas, aber auch generell den Bernoulli-Effekt, den man aus dem Physikgrundkurs kennt und auf dem unser Produkt heute beruht – und da haben wir gedacht, dass man mal probieren könnte, so eine Sackluftpumpe zu bauen. Und das haben wir gemacht. Erst mit Schlauchfolie als Prototyp. Das hat funktioniert – aber nicht besonders gut, weil die sehr schwer ist. Dann haben wir uns hochgearbeitet zu einem super leichten Nylon- und Polyester-Stoff und gemerkt: „Hey, das funktioniert ja richtig toll!“ Und dann war er da, der Fluxbag.

Wie ist die erste Begegnung mit eurer Zielgruppe verlaufen?

Wir hatten die Prototypen im letzten Jahr am Cossi. Das war sehr lustig, weil die Leute fragten: „Was habt ihr denn da? Wie geht denn das?“ Dann haben wir den Fluxbag genauer gezeigt und die meinten „Huch! Wirklich?“. Wir sind auch zu Strandbesuchern gegangen, die gerade dabei waren, Kinderspielzeug aufzublasen. Wir halfen ihnen ein bisschen und merkten schnell: Wir haben zwar nicht das größte Problem der Welt gefunden – aber ein Problem, das eine ganze Menge Leute nervt. Mit dem Fluxbag können wir das lösen.

Jens Thiel betrachtet zwei Fluxbag Flyer
Jens Thiel betrachtet zwei Fluxbag Flyer

Welche Vorteile bietet der Fluxbag gegenüber konventionellen Luftpumpen?

Der Fluxbag ist extrem klein, leicht verpackt und funktioniert komplett ohne Strom. Er ist ganz einfach zu bedienen: Man bläst einmal rein, macht den Rollverschluss zu, schließt das an seinen Aufblasgegenstand an und fluxt diesen, wie wir sagen. Der Vorteil des Fluxbag gegenüber anderen Pumpen ist, dass er wesentlich schneller ist. Es ist überhaupt keine Anstrengung nötig, es macht sogar ein bisschen Spaß.

Funktioniert der Fluxbag auch bei platten Fahrradreifen?

Der Fluxbag funktioniert bei Strandtieren und bei hochwertigen Outdoorluftmatratzen mit Flachventilen oder Schraubventilen. In der Tat kann man ihn nicht fürs Fahrrad benutzen, weil man es einfach nicht schafft, mit dem eigenen Körper auf den Beutel so viel Druck zu erzeugen, dass man mit der Luft in das Fahrradventil reinkommt. Der Fluxbag ist also für den niederen und mittleren Druckbereich geeignet.

Produziert wird der Fluxbag inzwischen in China. Dafür gab es auch Kritik.

Ja. Viele Leute fragen uns: „Warum macht ihr das nicht in Deutschland oder wenigstens in Europa?“ Dann sage ich immer: „Würdest du für das Produkt 50 oder 60 Euro bezahlen?“ Da sagen die meisten „Naja, wohl doch nicht.“ Deshalb sind wir in China. Du kriegst diese Materialien bei uns für den fünf- bis sechsfachen Preis. Auch die Arbeitskraft – da ist ja doch ein bisschen Arbeit drin in dem Nähen und Versiegeln – das kannst du in Europa machen, klar, kein Problem. Aber das will kein Kunde zahlen. Das ist ein bisschen schade. Aber wir machen hier halt andere Sachen. Wir entwickeln hier. Wir managen hier. Wir vertreiben unser Produkt.

In den Medien seid ihr inzwischen auf jeden Fall präsent. Wie seid ihr vorgegangen, damit aus eurer Idee tatsächlich ein erfolgreiches Produkt wurde?

Unser erster wichtiger Vertriebsweg war unser Kickstarter-Projekt im vergangenen Spätsommer. Da haben wir knapp 900 Unterstützer aus 50 Ländern gewonnen. Wir haben dann Anfang 2017 etwa 1500 Fluxbags in 50 Länder verschickt. Inzwischen haben wir einen Lizenznehmer bzw. Vertriebspartner gefunden. Der hat sehr gute Kontakte in den deutschen Einzelhandel.

Es ist ja für Einsteiger nicht immer so leicht, den Fluxbag mit Luft zu füllen. Welchen Tipp gibst du Anfänger-Fluxern, wenn es so gar nicht klappen will?

Am besten einen Platz suchen, wo gar kein Wind ist. Das ist zwar kontraintuitiv, aber dann geht es am besten. Drinnen im Büro oder im Wohnzimmer fluxen ist total einfach. Oder einen Platz suchen, wo ganz viel Wind ist. Dann geht’s auch. Wenn der Wind so mittelmäßig ist, kommt es auf die richtige Stellung an. Dann braucht man tatsächlich nicht nur einen, sondern vielleicht zwei oder drei Atemzüge und dann geht’s auch. Ausatmen. Aufrollen. Fluxen.

Fluxbag hat einen Wasserspiel-Delfin aufgeblasen
Ein Einsatzzweck eines Fluxbags: Aufblasen von Wasserspiel-Utensilien

Noch ist der Sommer nicht vorbei! Also, schnappt euch eure Strandtiere und den Fluxbag. Spart euch die Zeit für’s Aufpusten. Und genießt die letzten warmen Wochenenden noch einmal bei ausgiebigem Badespaß am See.

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