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Mini-Baumeister im Kinderzimmer

Habt ihr als Kind auch am liebsten mit Dingen gespielt, die eigentlich gar nicht als Spielzeug gedacht waren? Also ich erinnere mich noch gut daran, wie wir unterm Küchentisch Räuberhöhlen bauten, per Badewanne auf lustige Seefahrt gingen oder uns in den Kleidern unserer Mütter in echte Prinzessinnen verwandelten. Ähnlich geht es Spiele-Designer Sebastian Kalies. Er möchte kleinen Mädchen und Jungs deshalb keine Spielideen vorgeben, sondern ihrer Phantasie möglichst viel Freiraum lassen. Seine Spinifex Cluster wirken auf den ersten Blick ganz schlicht. Tatsächlich bieten die Bausteine aber unglaublich viele Möglichkeiten, kreuz und quer durchs Kinderzimmer zu bauen und verrückte Ideen umzusetzen. An seinem ersten Tag im STARTERSPACE habe ich mir von Sebastian auf dem Dach der Höfe am Brühl zeigen lassen, wie das Ganze funktioniert.

Sebastian, als ich deine Bausteine zum ersten Mal gesehen habe, war mir gar nicht sofort klar, ob das ein Produkt für Kinder oder für Erwachsene ist!

Ganz am Anfang war das für mich tatsächlich ein Modul, mit dem Erwachsene sich selbst ihre Möbel bauen können. Es hat sich aber dann herausgestellt, dass das schwierig zu kommunizieren ist bzw., dass Erwachsene das nur schwer verstehen. Für Kinder ist das jedoch ein total tolles Spiel. Die nehmen die Bausteine, stecken sie zusammen und wissen sofort, dass was Schönes daraus entsteht. Weil die Kinder halt Phantasie haben. Deswegen habe ich mich ganz schnell darauf spezialisiert, dass Spinifex Cluster an Kindergärten verkauft wird.

Erklär doch bitte mal kurz, was deine Bausteine von gewöhnlichen Bauklötzern unterscheidet.

Meine Bausteine sind eine echte Innovation im Holzbausteinsektor. Es gibt viele Konstruktionsspiele, die man zusammenfügen kann. Die sind aber meistens aus Plastik. Die, die aus Holz sind, haben meistens irgendwelche Zusatzelemente, um die Teile miteinander zu verbinden. Mein Baustein verbindet sich selbst mit sich. Dabei entsteht eine rekursive Struktur. Dadurch muss man auch besonders darüber nachdenken, was man damit baut. Klassische Holzbausteine legt man einfach übereinander. Meine Bausteine kann man ineinanderstecken und das ganz Besondere ist, dass die Konstruktionen, die dabei entstehen, so stabil sind, dass man wirklich etwas damit anfangen kann. Man kann stabile Objekte daraus bauen und sich darauf setzen. Man kann quer durch den Raum, gegen die Statik bauen.

Was würdest du Eltern sagen, die der Meinung sind, dass das ein bisschen schwierig für kleine Kinder ist?

Ich habe schon öfter gehört, dass die Eltern den Kindern nicht zutrauen, Spinifex Cluster auszusprechen. Die halten den Namen für ungünstig, weil er so lang ist. Ich habe aber die Erfahrung gemacht, dass Kinder das ohne Probleme aussprechen können und genauso ist es auch mit dem Bauen. Sobald die Kinder wissen, wie das funktioniert, geht’s los!

Im STARTER SPACE gibt es aktuell zwei verschiedene Produktlinien von dir zu kaufen.

Ja, angefangen mit der Produktion habe ich in Leipzig in zwei Behinderten-Werkstätten. Dort arbeiten drei Mitarbeiter in Vollzeit, um den Baustein herzustellen. Aber die Kapazitäten waren sehr begrenzt. Deswegen haben wir uns dazu entschlossen, noch weitere Produktionsfirmen zu fragen, ob die den Baustein herstellen können. Seit Anfang dieses Jahres haben wir jetzt einen Zulieferbetrieb in Italien, der die zweite Linie industriell in großen Stückzahlen herstellt.

Wenn Eltern sich jetzt fragen, welche der Linien sie kaufen sollen, woran können sie sich dann orientieren?

Die Steine sind kompatibel. Die Multiplex-Variante, die in Leipzig hergestellt wird, erkennt man an den Streifen an der Seite. Das ist Handarbeit und das sieht man auch. Die Preise unterscheiden sich aber nicht.

Das ist also eine ästhetische Frage?

Ja, bzw. eine sozialpolitische Frage.

Kinder stehen ja meistens auf Sachen, die bunt und grell und laut sind. Du hast dich entschlossen, deine Bausteine ganz schlicht zu halten. Ich habe den Eindruck, dass da auch noch so eine Art Erwachsenen-Ästhetik reinspielt: Bauklötzer, die auf Kinder interessant wirken, aber für die Eltern im Kinderzimmer auch schön anzusehen sind. Warum passt du dich da nicht mehr an die Vorlieben der Kinder an?

Also, ich als Erwachsener fühle mich von ganz vielen Sachen überfordert. Das ist alles viel zu viel, viel zu bunt, viel zu blinkend. Das nehme ich als Erwachsener so wahr. Und vielleicht spielt das auch eine Rolle dabei, dass ich das so entschieden habe. Aber ich glaube, dass die Kinder das teilweise auch so empfinden. Die wollen mit ihrer Phantasie spielen. Die nehmen den Baustein und bauen etwas daraus. Die Phantasie der Kinder entsteht so oder so. Ob das nun grün, blau oder rot ist, spielt keine Rolle.

Über diese Haltung lässt sich natürlich streiten. Da ich selbst ein ziemlich sensibler Mensch bin, kann ich Sebastians Perspektive aber ganz gut nachvollziehen. Und bestimmt gibt es viele kleine, kluge Baumeister, die mit den Spinifex Clustern großartige Konstruktionen erschaffen können. Vielleicht lassen sich davon ja sogar die ein oder anderen Eltern inspirieren und entdecken Sebastians Bausteine am Ende doch noch zum Möbelbau.

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