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Ökomode in cool

Nochmal neu starten und alles ganz anders machen

Miguel hat seinen lukrativen Job in der Finanzbranche gekündigt und stattdessen das Ökolabel Lifetree gegründet. Bei unserem Fotoshooting auf dem Dach der Höfe am Brühl haben wir darüber gesprochen, wie es dazu kam.

Von Nadelstreifen und Hanf T-Shirts

Miguel, für deinen Traum von cooler Ökomode hast du deinen früheren Lebensstil komplett hinter dir gelassen. War dein Weg zu Lifetree auch ein Weg zu dir selbst?

Ja, auf jeden Fall. Das Problem in der Finanzbranche war, dass ich Produkte verkauft habe, die ich selbst kacke fand und bei denen ich selbst wusste, dass sie dem Kunden keinen großen Vorteil bieten. Mit Lifetree hat sich das komplett geändert. Ich interessiere mich für Tierschutz. Ich interessiere mich für Naturschutz. Ich ernähre mich selbst vegetarisch. Und das sind Werte, die ich mit Lifetree in Einklang bringen kann. Ich mache jetzt etwas, bei dem ich Sinn in meiner Tätigkeit sehe und mich nicht mehr für irgendeinen Konzern verbiegen muss.

Wie kam es zu diesem radikalen Wandel?

Ich wollte früher Fluglotse werden. Nachdem Abitur habe ich bei Google eingegeben „Deutschland  bestbezahlter Job“ und das war Fluglotse. Am Ende des aufwändigen Auswahlverfahrens wurde ich wegen meiner Wespenallergie nicht angenommen. Damals rief ich meine Mutter an: „Mutti, was soll ich jetzt werden?“ Sie antwortete: „Junge, du gehst zur Bank.“ Das tat ich dann auch. Ich habe ein paar Jahre lang in der Finanzbranche Abschlüsse gemacht und mein Geld verdient – in den letzten zwei allerdings nur noch, weil der Gehaltscheck am Ende des Monats ein Traum war und mir vieles im Leben vereinfacht hat.  Ich habe mir dann irgendwann zu Hause eine Zigarette gedreht und hatte quasi die Schnappsidee: „Mensch, du bist ja noch jung, du kannst doch noch was mit deinem Leben anstellen!“ Und ja, dann habe ich eine Sonnenbrille und ein T-Shirt designt und mir davon Muster zuschicken lassen. Als ich die meinen Kumpels zeigte, waren die so begeistert, dass ich dachte, ich sollte vielleicht noch mehr Leute fragen. Ich ging auf die Straßen und sprach einfach Menschen an. Das Feedback war wieder so gut, dass ich dachte: „Mach das doch einfach!“ Und das habe ich dann getan.

Kanntest du dich mit Design damals überhaupt schon aus oder hast du eine Ausbildung in dieser Richtung?

Nein. Aber ich war immer total modisch interessiert. Und ich würde von mir auch mal ganz arrogant behaupten, dass ich mich sehr modisch kleide. Mein Gedanke war, dass das, was ich anziehe, möglicherweise auch vielen anderen gefallen könnte. Ich habe mich dann einfach an meinem Geschmack orientiert und die erste Lifetree-Kollektion so designt, wie sie mir gefällt. Glücklicherweise kommt das auch bei anderen gut an.

Wofür steht der Lifetree dabei?

Bäume sind ja quasi die Lunge der Erde. Sie sorgen dafür, dass wir genug Luft zum Atmen haben. Zeitgleich ist der Mensch so intelligent, dass er immer mehr Bäume abholzt. Der Lifetree steht deshalb für mich für die Natur, die mir sehr am Herzen liegt. Und verdammt, es klang auch einfach cool! Es hat gut gepasst, das Logo sah auch prima aus und dann war ich halt zufrieden.

Was Lifetree besonders macht

Wie hebt sich Lifetree von anderen Ökolabels ab?

Alles bei Lifetree ist hundert Prozent selbst designt. Es ist schon Ökofashion, aber es sind eben nicht nur diese typischen Ökos, die unsere Klamotten kaufen. Ich habe ein Label entwickelt, das Ökomode in cool macht. Das bedeutet schlichtweg, wir entwerfen ganz normale Shirts aus nachhaltigen Materialien und haben Schnitte, die einfach ankommen – in der Skaterszene, in der Hiphopszene, generell aber auch bei Ökos, weil die Stoffe und die Philosophie von Lifetree eben stimmen.

Seit Kurzem gibt deine Mode und Accessoires auch im STARTER SPACE in den Leipziger Höfen am Brühl zu kaufen. Wie stehst du dazu?

Als ich im letzten August nach Leipzig gezogen bin, habe ich mir gesagt „Wenn ich irgendwann mal mit meiner Kleidung in den Höfen am Brühl bin, dann habe ich es wohl geschafft.“ Es ging schneller, als gedacht!

Tatsächlich kommt die Marke Lifetree bei den Leipzigern sehr gut an. Nach meinem Gespräch mit Miguel erfahre ich, dass seine T-Shirts aus Hanf, Brillen aus recycelten Skateboards oder Carbon und Pullis aus Biobaumwolle im STARTER SPACE zu den absoluten Bestsellern gehören. Vom angepassten Finanzexperten zum alternativen Ökolabelgründer und nun zum richtig erfolgreichen Unternehmer. – Was für eine schöne, ermutigende Geschichte. Es scheint mir ganz so, als steht gerade die nächste aufregende Wende auf Miguels Lebensweg an!

13 Comments

  1. anonyma anonyma

    Das ist jetzt wohl ein ganz schlechter Scherz…. Ökolabel-Designer trägt selbst TNF, eine der unökologischsten Marken, wie passt das zusammen????

    • Miguel Miguel

      Hallo, vielen Dank für die Anmerkung.
      Die Jacke die ich dort trage, kam 2014 auf den Markt und ist aus recycelten Plastikflaschen.
      LG

  2. Headhunter Headhunter

    Schön wenn man seine Träume leben kann und vorher im Job ordentlich als Kapitalstock angespart hat, um dies auch zu verwirklichen. Ein Alleinstellungsmerkmal dürfte es nicht sein und damit ist auch die dauerhafte Chance relativ gering. Sicherlich wird es ein Lernprozeß werden. Trotzdem viel Spaß und vielleicht klappt es sogar doch damit etwas Geld zu verdienen. Die Flucht aus dem Bankensektor, der momentan immer mehr Leute freisetzt, dürfte schon mal gelungen sein. Wer weiß wofür es gut war. Immer dran denken: Immer einmal mehr aufstehen, als hinfallen.

    • Headhunter Headhunter

      Schade, wenn an recherchierbaren Fakten gespart wurde! „Die erste Schieflage in diese seltsame Balance kam, als ich im Kleingedruckten einiger Finanzprodukte Details fand, die selbst uns Beratern gezielt verschwiegen wurden. Als dann mein Chef zu mir meinte, ich solle nicht beraten, sondern verkaufen, bröckelte die Fassade endgültig. Ende 2014 holte mich der Zwiespalt ein: Burnout, Krankschreibung und Kündigung. Ich wusste, das möchte ich nicht mehr. Ich musste aus diesem Bankjob raus. „

      • Miguel Miguel

        Hallo,

        dies stellt lediglich ein Kurzinterview dar. Es kann leider nicht bei jedem Interview die komplette Geschichte von vorne aufgerollt werden. Wer interessiert ist kann aber gerne (wie Sie) unsere Website besuchen.
        LG

  3. Miguel Miguel

    Es lebe das anonyme Internet du Pfeife 😉

  4. Jesus Jesus

    Immerhin ist Miguel Vainglorious !
    Was hast du in deinem Leben bisher erreicht Hans ?

    • Miguel Miguel

      😀

  5. xyz xyz

    Wieso müssen die Leute denn erst immer nur meckern, anstatt sich darüber zu freuen, dass jemand aktiv versucht etwas gegen einen kleinen Teil von dem ganzen Scheiß in unserer Welt zu unternehmen?!
    Niemand ist perfekt und Hass bringt niemandem etwas.

    • Miguel Miguel

      Hass ist krass, Liebe ist krasser <3

  6. Shawn Shawn

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    • Miguel Miguel

      <3

  7. […] und natürlich Kunden eigentlich am besten kennen? Nachdem ich euch mit Rothöll, Pappenheimer und Lifetree bereits einige junge Leipziger Unternehmer präsentiert habe, nehme ich euch heute mit zu einem […]

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