Alles im Rahmen

In dieser Woche folge ich der Einladung von Carina Kunth in einen grünen Stadtteil von Leipzig. Sie wohnt mit Ehemann Andreas und Kätzchen Enya in einer 70 Quadratmeter großen Dachgeschosswohnung. Hinter der Villa gedeiht ein Gemeinschaftsgarten mit altem Baumbestand und einer großen Wiese. Die fünf Mietparteien mit insgesamt vier Katzen und zwei Hunden verstehen sich prächtig und feiern hier so manche Grillparty zusammen.

Kupfer sticht grün

Als das Pärchen vor zehn Jahren nach seiner ersten gemeinsamen Wohnung Ausschau hielt, verliebten sich beide sofort in die vier Wände mit dem schönen Balkon. Sie würfelten ihre Möbel zusammen, nur eine neue Küche musste her. Hell und freundlich wirkt der Eingangsbereich mit dem großen silbernen Rahmen, der einen Kupferstich von Ludwig Knaus zeigt. Das Bild „Die goldene Hochzeit“, ein Erbstück von der Großtante aus Oybin, hat für Carina vor allem einen ideellen Wert: „Ich saß als Kind oft stundenlang davor, entdeckte immer wieder Neues“, erzählt die gebürtige Grimmaerin. Dass auch Mann viel Hut tragen kann, beweisen die bunten Kopfbedeckungen von Andreas, die ich auf der Ablage unter dem silbernen Wandobjekt entdecke.

Alles für die Katz‘

Groß und weiträumig präsentiert sich auch der Wohn- und Küchenbereich. Am plätschernden Katzenbrunnen schleckt das Samtpfötchen Enya ihr Wasser, das Trockenfutter bekommt der Stubentiger auf dem Fummelbrett serviert. Wer’s nicht kennt: Das Futter ist in verschiedenen Gegenständen versteckt, nur mit Geschick gelangt die Mieze an die Leckerlis. „Das ist Activity für Wohnungskatzen“, sagt Frauchen und erzählt, wie sie die Rassekatze vor einem Jahr aus dem Tierheim geholt hat. Ihre Vorbesitzer mussten das Britisch Kurzhaar abgeben, weil sie sich die Tierarztkosten nicht mehr leisten konnten. Das grau getigerte Kätzchen litt unter Blasensteinen und benötigte damals eine Operation. Ein Blick von Carina in die gletschergrünen Augen von Enya genügte damals, um zu wissen: “Das ist meine Katze”. Seitdem schnurrt das Tierchen durchs traute Heim, wärmt den Gästen das Bett an oder kuschelt mit Frauchen auf dem Balkon.

Jugendstil auf dem Balkon

Bei schönem Wetter wird im Freien eine lindgrüne Jugendstil-Bank ausgeklappt, die liebevoll von den Hausherren restauriert wurde. Es war ein Fundstück, ein so genanntes „Schätzchen“ aus dem Hinterhof der Schwiegereltern. Deren Hutladen in der Leipziger Innenstadt übernahm Carina im Februar 2015. Schon länger stand die studierte Germanistin Seit‘ an Seit‘ mit der Schwiegermutter im Geschäft. Jetzt kümmert sie sich alleine um Ein- und Verkauf, passt Hüte an oder bearbeitet Garnituren. „Zu Gute kam mir meine Arbeit in der Produktion während der Schulzeit. Ich lernte nähen, musste mich mit Metall beschäftigen und brachte mir das Zehnfingersystem an der Schreibmaschine bei“, erzählt die 38-Jährige. Nur wenn es wie demnächst auf Urlaubsreise in die Dolomiten geht, springen die lieben Schwiegereltern ein. Ihren Ehemann hat sie übrigens in einer Kletterhalle kennengelernt. „Durch mich ist er zum Fels gekommen“, sagt die Geschäftsfrau und zeigt auf das Foto mit den „Drei Zinnen“. Ansonsten steht der Gießereimodellbauer auf extremes Mountainbiking und liebt das Skateboardfahren.

Frau trägt Hut

Der 40-Jährige hat auch einen gewissen Sinn für Ästhetik und schöne Bilder – die Kunstdrucke von Grace Kelly und Andrey Hepburn stammen aus seiner Junggesellenbude. Seine Frau liebt zudem die Filme der 1940er bis 60er-Jahre. In dieser Zeit trugen nicht nur die Stilikonen viel Hut.


Mit einem letzten Blick auf den wertvollen Kupferstich im Flur, verabschiede ich mich und wünsche den Beiden einen abenteuerlichen Urlaub in den Bergen.

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