Gute Seele vom Hof

Wiedersehen macht Freude: Ende Februar 2015 war ich das erste Mal zu Gast im Generationenhof in Markranstädt. Doch seitdem ist das Leben auf dem Vierseitgehöft im Ortsteil Lindennaundorf noch bunter und lebendiger geworden. Im Sommer vergangenen Jahres hat die 78-jährige Gertrud Zink nun eine 47 Quadratmeter große Wohnung unter dem Dach bezogen.

Lebensgeschichte

Bei Kaffee und selbstgebackenem Donauwellenkuchen schaut die Rentnerin auf ein bewegtes Leben zurück: An ihrem siebten Geburtstag wurde sie gemeinsam mit den Eltern von Karlsbad im damaligen Sudentenland nach Bad Frankenhausen umgesiedelt und lebte bis 1961 in Thüringen. Später lernte sie ihren Ehemann kennen, mit dem sie zwei Kinder großzog und 55 Jahre lang glücklich verheiratet war. Ihr gemeinsames Zuhause hatte die Familie in Nessa in Sachsen-Anhalt.


Vor gut einem Jahr zog die Witwe zu ihrem Enkel und dessen Familie auf den Hof nahe Leipzig. „Hier geht es mir richtig gut. Ich habe ältere Menschen um mich herum, mit denen ich mich jeden Freitag in der Scheune zum Spielabend verabreden kann. Jetzt, wo es so schön wird, sitzen wir draußen im Innenhof oder gehen in den nahen Garten, der ein kleines Paradies geworden ist“, erzählt die ehemalige Büroangestellte.

Gemütlichkeit

Die Zwei-Zimmer-Wohnung mit Badezimmer liegt im ersten Stock des ehemaligen Heubodens. Am markantesten sind die Holzbalken im großen Wohn- und Küchenbereich, der sich gleich hinter der Eingangstür befindet. Die Möbel stammen fast alle aus ihrer alten Wohnung – bis auf die bequeme Couch und die moderne Einbauküche, die neu angeschafft wurden.

Alleskönner

In einer Ecke entdecke ich ein multifunktionales Küchengerät. Quasi ein Alleskönner, auf den Oma Gertrud, wie sie von allen liebevoll genannt wird, besonders schwört: „Damit backe und koche ich schon seit 13 Jahren, gare Gemüse und Beilagen, knete Kuchenteig und versorge so täglich meine Familie und einen Hofmitarbeiter mit einem Mittagessen. Neuerdings auch vegetarisch“, plaudert die rüstige Endsiebzigerin, die mittlerweile schon drei Urenkel hat.

Rundblick bei Oma Gertrud


Beim letzten Hof-Subbotnik hat sie die ganze Mannschaft mit leckerem Kuchen versorgt: „Ein jeder macht hier das, was er kann“, meint sie schmunzelnd. Und wenn es am Abend dunkel wird, nimmt sie die Maschen auf, um den kleinen Mädchen aus der Kinder-WG neue Puppensachen zu stricken. Als moderne Omi geht sie mit der Zeit: Von den Kindern wurde sie mit einem Handy und einem Tablet ausgerüstet, damit sie ihnen ein paar Foto-Schnappschüsse aus der neuen Heimat senden kann.

Einige Gedanken zu “Gute Seele vom Hof

  1. Astrid

    Sehr hübsch und gemütlich eingerichtete Wohnung. Die schönen Holzbalken bringen viel Wärme und Stil. Alles Gute und viel Gesundheit für die Bewohnerin. Möge Oma Gertrud noch viele schöne Jahre in ihrem schönen Heim erleben. Danke für den Einblick.

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