Kissenschlacht im Leipziger Zentrum

Jetzt wird’s kuschelig. In dieser Woche nehme ich euch mit in einen historischen Altbau in Leipzigs Innenstadt. Verabredet bin ich mit David (34), Familienvater, Fotograf und vernarrt in schöne Kissen aller Art. Sein fast dreijähriger Sohn Friedrich, der heute kindergartenfrei hat, freut sich schon auf den Bauernhof, den die beiden am frühen Nachmittag besuchen wollen.

Emaille, Malerei und Mode


Geboren in Brandenburg, lernte David auf Wunsch der Eltern etwas Solides – nämlich Speditionskaufmann. „Ich habe aber immer von einem kreativen Job geträumt. Und da ich damals schon gerne shoppen gegangen bin, habe ich mich später als Praktikant bei einem Modelabel beworben“, erzählt der Mann mit den blauen Augen. Zehn Jahre lange tingelt er durch Berlin, Köln und Frankfurt am Main, studiert Bekleidungstechnik und lernt in vielen Nebenjobs das Leben kennen. Vor einigen Jahren hat er sein eigenes Modelabel mit Kapuzenschals, Tüchern und Taschen gegründet. Die alte Nähmaschine seiner Oma steht aus nostalgischen Gründen noch in seinem Atelier.

Hereinspaziert in 360 Grad


Seit dreieinhalb Jahren lebt und arbeitet David in Leipzig unter einem Dach. In der großzügigen Altbauwohnung mit Fischgrätenparkett spüre ich den individuellen und ästhetischen Einrichtungsstil des gebürtigen Ludwigsfelder auf jedem Quadratmeter. Im Flur gleich hinter der Eingangstür hängen Sprossenwände aus einer alten Turnhalle, die der Hausherr in Kombination mit einer Reckstange zu einer stilvollen Garderobe umfunktioniert hat. „Der Transport war die Hölle! Danach standen die Teile hier erstmal herum“, erinnert sich David. Gesucht habe er längere Zeit nach passenden Winkeln zum Anbringen der Sportgeräte an der Wand, wie er erzählt. Optische Hingucker sind auf jeden Fall die hölzernen Skateboards einer Mainzer Manufaktur, die David früher als Fahrrad-Ersatz nutzte. Das neongrüne Pennyboard wartet auf Friedrich, den kleinen Blondschopf.

Upcycling

Modern und gemütlich präsentiert sich die Küche mit einer Arbeitsplatte von riesigen viereinhalb Metern Länge. David ist einer, der sein Essen gern auch fürs soziale Netzwerk fotografiert. Seine leckeren Pancakes-Bilder etwa landen auf dem eigenen Instagram-Profil. „Essen sollte schmecken und auch gut ausschauen“, findet der Freizeitkoch. Der massive Holztisch, passgenau zur Heizung an der Außenwand, wurde in der „Vintage Werft“ in Eisenach gebaut. Von Kunsthandwerker Lars stammt auch das Bett aus alten Gerüstbrettern. Anstatt eines Lattenrostes gibt’s eine Zieharmonika aus Holz, auf der eine gute alte Federkernmatratze liegt. Das nenn‘ ich mal Upcycling!

Gut gebettet

Auch im Schlafzimmer fallen mir sofort die farblich abgestimmten Kissen auf, die vor einer Wand wie zufällig drapiert scheinen. Eigentlich sind die Daunenpolster in der Wohnung nicht zu übersehen und sprichwörtlich in Hülle und Fülle vorhanden. „Ich habe einen Deko-Hasch-mich“, plaudert David und lacht. Willkommen im Kinderzimmer: Hier ist es hell und freundlich, mit viel Holz und Farbe sowie einem von Opa selbstgebauten Bett – und natürlich Papas karierten Kissen aus der eigenen Werkstatt.

Auffällig im Wohnzimmer ist das expressive Bild der Berliner Malerin Anna Borowy über einem Sideboard, das der Bewohner über ein Kleinanzeigenportal im Netz fand. „Es war komplett zerlegt, aber bei dem Teil musste ich einfach zugreifen.“ An der gegenüberliegenden Wand hängt ein überdimensional großes schwarz-weiß-Porträt seines Großvaters. Das Foto trägt der Enkel seit zwei Wohnungen mit sich herum. Es ist authentisch, ergreifend und lässt einen nicht mehr los.

5 Gedanken zu “Kissenschlacht im Leipziger Zentrum

  1. Hella B

    Einfach toll. Sehr hübsche Wohnung mit vielen kleinen Details. Passt alles zusammen alt und neu . Mit viel Liebe für sich und den jungen Mann gestaltet. Ich glaube da fühlt sich so mancher bei Ihnen wohl. Viel Glück 🍀

  2. Reinhard

    Einige Sachen sind ganz hübsch, aber besonders unter den Bildern findet sich ja einiger schlimmer Kitsch.

  3. Marlene

    Ich habe per Zufall diesen wunderschönen Artikel entdeckt und er hat mich gerade in der Zeit erreicht, als ich mit meinem Interior Design-Label meine Crowdfunding-Kampagne gestartet habe. Ich würde David sehr gerne einladen, unsere erste eigene handgewebte Kissenkollektion zu bestaunen. Mit unserer Arbeit greifen wir die uralte Maya Webtradition in Guatemala auf und unterstützen benachteiligte, indigene Gemeinden.
    Ich hoffe, es erreicht David. Liebe Grüße, Marlene

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