Maria und ihr Herz aus Gold

Abermals zieht es mich in den idyllischen Südwesten Leipzigs, hier herrscht ein Hauch „Goldgräberstimmung“, denn Plagwitz und Schleußig sind gleich nebenan. In einem alten Mietshaus, einen Fahrstuhl gibt’s hier nicht, steige ich die Treppenstufen bis nach ganz oben – bis mir letztlich ein freundliches Hallo entgegenschallt. In der Tür steht Maria, lächelnd, ganz leger gekleidet mit Weste und hellen Jeans. Die 31-Jährige wohnt seit Februar 2016 in ihrer Einraumwohnung auf 34 Quadratmetern im Stadtteil Kleinzschocher.

Einraumwohnung unterm Dach

Vor zwei Jahren noch reiste sie für 14 Monate als Rucksack-Touristin quer durch Australien, Thailand, Indonesien und Malaysia. „Danach wäre ich am liebsten draußen wohnen geblieben. Eine totsanierte Bleibe kam für mich nicht in Frage, also zog ich erstmal in den tiefsten Leipziger Osten“, erzählt die gelernte Goldschmiedin. Die Wohnung war fantastisch – altes Gemäuer, keine Tapeten, eine nette Hausgemeinschaft, aber Maria war nicht wirklich angekommen. Nach nur vier Monaten packte sie ihre Siebensachen und hatte viel Glück, als sie ihre jetzige kleine Bleibe mit den markant-dunkelbraunen Holzbalken fand.


Ruhig ist es hier oben unterm Dach, mit grüner Aussicht und ganz viel innerem Zauber, den die Bewohnerin ausstrahlt. Die Möblierung ist überschaubar und gewollt einfach – sie schläft auf einer Matratze, die auf Paletten liegt. Der Kleiderschrank steht im Mini-Flur, das gemütliche dunkelrote Sofa war ein Geschenk ihrer besten Freundin, der in Leipzig bekannten Sängerin June Coco. Das dunkle Holzregal mit den Schubläden ist ein Erbstück ihres Großvaters, das Bild in der Kochnische hat Maria von Trödelharry in Feldberg bei Basel geschenkt bekommen. „Es zeigt Bangkok, die Gerüche kann ich förmlich riechen“, plaudert sie und fühlt sich sofort an Thailand zurückerinnert.

Schmuckstücke mit Genuss

Ihr bisheriges Leben versteckt sich in vielen kleinen Puzzleteilen – ob als Postkarten an den Fliesen, Erinnerungsfotos an den Wänden oder Instrumenten, die von ihrer Musikalität erzählen. Durch die beiden großen Fenster kommt viel Licht ins Kämmerlein der Künstlerin, die sich gerade auf das Fest „BoHei & Tamtam“ am 10. Juni ab 11 Uhr auf der Karl-Heine-Straße vorbereitet. Alles will gut durchdacht und vorbereitet werden, von der Präsentation der selbstgefertigten Schmuckstücke bis hin zur Dekoration ihrer Accessoires am Stand. Auf edlem grauem Tuch liegen die Unikate, die sie zum Kauf anbietet: Vom massiven Silberring, filigranem Ohrschmuck aus Messing, Broschen aus abgeschliffenen Glasscherben bis hin zu Schmuck aus brasilianischen Kaffeebohnen für Genießer.

„Ergreifend. Lebendig. Handgefertigt“, charakterisiert Maria Franke ihre Einzelstücke. Die Tradition des Handwerks liegt in der Familie. Schon der Großvater arbeitete als Goldschmied. Auch die Eltern sind vom glänzenden Geschmeide ganz angetan und betreiben ein Juweliergeschäft. Maria blieb bis zu ihrem 20. Lebensjahr im heimatlichen Aschersleben, dann zog sie nach Leipzig, wo sie die Ausbildung absolvierte.


Ihr Atelier ist nur wenige Minuten von ihren heimischen vier Wänden entfernt. Die „Alte Handelsschule“ in der Gießerstraße, zwei ehemalige Kaufmännische Berufsschulen, bietet auf 7000 Quadratmetern zahlreichen Kunsthandwerkern kreative Projekt- und Ausstellungsräume auf vier Etagen. Maria schätzt die Atmosphäre ihres Arbeitsplatzes mit vielen kleinen Maschinen und jeder Menge Werkzeug – sie schnappt sich ihr Stühlchen und setzt sich an die über hundert Jahre alte Werkbank ihres Großvaters, um die Tradition fortzusetzen.

8 Gedanken zu “Maria und ihr Herz aus Gold

  1. Reinhard

    Ein hübsches Mädchen in einer hübsch eingerichteten und dekorierten Wohnung.

  2. Johanna

    So wie ich Maria auf Reisen kennengelernt habe.. frei, lebendig, erfrischend, durchgeknallt… Ein momentlover eben . Super passende Wohnung und genauso gut geschrieben.

  3. Daria

    So viel Ausstrahlung habe ich selten im Wohnblog erlebt – von der Bewohnerin als auch von der Wohnung selbst. Alles schön hell und freundlich und sehr individuell. Die Küche gefällt mir sehr, das viele Grün, der Tisch und überhaupt. Eine kleine Wohnfläche und dennoch ist alles drin in der Wohnung. Ein Balkon fehlt auf jeden Fall, dann kann man wenigstens im Sommer die Wohnung vergrößern. Ihre vorige Bleibe klingt allerdings auch nicht schlecht: altes Gemäuer mit Hausgemeinschaft und ohne Tapete. Wäre sicher auch einen Besuch wert gewesen.
    Ich wünsche ihr noch ganz viel Erfolg und Lebensfreude!

  4. Gabriele

    Alles schön hell und freundlich und sehr individuell. Ich würde sofort einziehen.

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