Volle Craft voraus

Heute geht’s ums Eck in die Leipziger Südvorstadt, unweit der Karli. Ich bin mit Franz verabredet, der erst vor wenigen Tagen mit seinen Siebensachen in eine 4-Zimmer-Wohngemeinschaft gezogen ist. Wir sitzen am Küchentisch, neben uns ein gemaltes Wandbild mit einem grünen Baum. Der 30-Jährige schwärmt von einem traumhaften Jahr am anderen Ende der Welt, von einem wegweisenden Besuch und einer Craft-Beer-Bar, die im Frühjahr 2017 viele Genießer des Gerstensaftes nach Leipzig-Connewitz locken soll.

Daheim in einer WG

Doch zunächst schauen wir uns in seiner neuen Bleibe um. Die Gemeinschaftsküche ist hell und freundlich mit einem vollen Kühlschrank – immerhin beköstigen sich hier vier hungrige Bewohner. Dem künftigen Gastronomen wurde das Kochen in die Wiege gelegt. „Am liebsten mag ich saisonale Gerichte oder Currys, mit denen bekommt man einfach viele Mäuler satt. Das Schöne am Essen ist, das es so vielfältig sein kann“, so der Veganer.

Musik an der Wand

Dass auch die Musik eine große Rolle in seinem Leben spielt, ist in seinem 15 Quadratmeter großen Zimmer am Ende des orangefarbenen Flurs nicht zu übersehen. Seine Gitarren hat er kurzerhand an die Wände gepinnt, eine Cajón (Kistentrommel) dient als Schreibtischstuhl und zwei Didgeridoos, die er von seiner Australien-Neuseeland-Reise mitgebracht hat, hängen dekorativ über der Couch. Das massive Hochbett und der geräumige Schreibtisch stammen von der Vormieterin, den großen Holzschrank und das Regal hat der ehemalige Verlagskaufmann bei einem Internetauktionshaus gekauft.

Der Hingucker aber ist ein aufklappbarer Globus, der demnächst als Bar fungiert. Eigentlich waren Franz und seine Geschäftspartner Stine und Christof auf der Suche nach Bar-Mobiliar, als ihm auf dem Agra-Antikmarkt diese sensationelle Erdkugel ins Auge stach. Daran kam der Weltenbummler nicht vorbei. Der Transport im Kleinwagen war abenteuerlich, schildert der gebürtige Leipziger. Doch die Anschaffung hat sich gelohnt – die Globus-Bar passt perfekt zu den geräumigen Ledersitzmöbeln unterm Bett. Und auch zu seinem neuen beruflichen Leben, das jetzt beginnt.

„Ich liebe Bier“

Rückblick: Nach zehn Jahren Bürojob bei einem lokalen Medienunternehmen wanderte der sympathische Typ mit den langen Haaren von Oktober 2015 bis September 2016 für elf Monate aus. „Meinen Krempel hab ich bei Freunden verstreut, dann bin ich losgezogen…“, erzählt er. In den ersten drei Monaten seiner langen Reise nach Neuseeland lebt er in einem Hippiecamp an der Ostküste, wo der Bier-Liebhaber das große Glück hatte, in zwei kleinen privaten Brauereien das Handwerk zu lernen. Fasziniert vom hochwertigen Craft-Beer und den vielen unterschiedlichen Geschmacksrichtungen, schmiedet er mit Freundin Stine, die ihn auf der Pazifik-Insel besuchte, einen Plan. Kennengelernt hatten sich beide in der legendären Reudnitzer Kneipe „Substanz“. Sie war Gast, er Barkeeper.

Momentan werkeln sie gemeinsam mit Freund und Geschäftspartner Christof in der Leipziger Eichendorffstraße 7, um in wenigen Wochen die „Dr. Hops“-Craft-Beer-Bar zu eröffnen. Bis einschließlich 17. Februar läuft ihre Crowdfunding-Kampagne. Wollen auch Sie investieren, dann gibt’s schon jetzt einen Vorgeschmack auf das urige Craftbier!

 

10 Gedanken zu “Volle Craft voraus

  1. Friseur Kleinekorte

    Die Einrichtung des Zimmers ist sehr schön. Erinnert mich an meine damalige Studentenbude. Viele Bezugspunkte in Richtung Musik. Der junge Mann macht den Eindruck eines noch unbedarften Weltenbummlers. Erstaunlich wie man so viele Stücke des Mobiliars auf so engem Raum gut gestalten kann. Das Hochbett ist abenteuerlich in seiner Konstruktion. Besonders hat mir Schallplattenspieler und Platten gefallen. Die restliche Technik dürfte für den kleinen Raum zu gewaltig sein. Mit viel Mut geht man die neue Bar an. Ein Blick auf die Gründungsseite lässt vermuten, dass alle Betreiber noch einen richtigen Job haben. Der Kapitalbedarf von 6500 € erscheint sehr minimalistisch angesetzt und dürfte maximal für sechs Monatsmieten reichen. Für die einfachste Art Bier zu brauen, benötigt bereits einen automatischen Minibraukessel von über 1000 € bei 20 Litern. Bei vier Braukesseln a 500 l wird schnell eine 6- stellige Summe fällig. Irgendwie alles nochmals überlegen, denn auch Bier und nur vegan (Koch!!!) scheint mir sehr verwegen. Liebe Hobbybrauer, ich empfehle euch einen Ausflug ins Brauwerk in die Leibnizstrasse 17 zum Erfahrungsaustausch, damit ihr nicht baden geht. Viel Glück!

  2. Steffen

    Wohnblog oder alternative Community mit Werbung für Dinge, die die Welt nicht braucht? Die Wohnung ist langweilig, ein paar Intrumente an der Wand sind in LE ein „must have“? Und weil wir sonst vor lauter Reisen nicht wissen was wir tun sollen, erbetteln wir uns etwas Geld und brauen Bier. Passt zum kompletten Eindruck, geht es schief (wird es) klopft man sich dann heldenhaft auf die Schulter und die 2. Homestory ist fertig.

  3. Aalfred

    WG ist Geschmackssache – irgendwie wie noch nicht richtig angekommen. Hier passt es aber – urig und besonders.

  4. Regina Katzer

    @Friseur Kleinekorte:

    Ich habe Ihren persönlichen Brief an Herrn Uhlig weitergeleitet. Leider kann er Ihnen nicht antworten, weil die Emailadresse nicht funktioniert. Schade.

    Schönes Wochenende allen
    Regina Katzer

  5. Oud

    What a Johnny Depp!
    Nein! Natürlich meine ich das nur im positiven Sinne!
    Was für ein zarter ‚Neo-Alterantive‘! Von Ihm würd‘ ich mir gern mal die Saiten zupfen lassen.
    Und es wurde ja auch längst Zeit, dass ein Style den jungen Depp in seiner schöpferischen Frühphase huldigt. Aber den Brauer kauf ich dir nicht ab. Denk nochmal drüber nach, Du bist zu schade für die Gastronomie. Scheinst eher als Mann der Laute, als neuer Django Reinhardt, wider Sea Shepherd-campaigner. Halt einfach die Poesie! Aber Persönlichkeit beiseite, interior first:
    Schöne Gegenstände, globale Melange, toll photographiert, reiches Leben in der Box, ich träume gerne mit! Jedoch war die Shisha vor der Ledercouch für mich ein stilistischer Schock.
    Ich hoffe, dass es sich bei den Ablagen darauf um versehentlich unausgebreitete Tagesdecken handelt und nicht um Strandtücher (Pfui!). Unwichtig, ich verstehe, design follows fuction.
    Weiter: Wie kann man solch eine Erscheinung von brillierenden Kleiderschrank mit einem CD-Regal vergewaltigen? Falls dieser überhaupt eine Begleitung braucht, dann eventuell die beiden Didgeridoo, gefasst in einer hellen Kalebasse, tief gestellt.
    Kompliment! Endlich wieder ein wahrer Mensch, der dem Vinyl, in dennoch bescheidener Auswahl, huldigt. Und letztlich eine sympathische Persönlichkeit, welche seine Möglichkeiten gemütlich zu gestalten weiß. Inklusive des pfiffig handwerklichen Oberbettes.
    Mein Respekt für diesen Blog und den Mut der Veröffentlichten.
    Kritik ist viel einfacher und auch ein bisschen feig und flach. Viel Glück bei Deinem Handwerk.
    Keep up that nice tune.

  6. Friseur Kleinekorte

    Glückwunsch zum Erreichen der Fundingschwelle von 6,5 k€ mit bisher 7 703 €. Da hat das Einzelinvestment für eine Firmenfeier ja kräftig mitgeholfen. Euch toi, toi, toi, aber formuliere mal bitte HIER wie ihr Bier SELBST brauen wollt bei dieser Mikroinvestition?

  7. elin

    Eigenartig ! (?) Inhalt und Schreibstil mancher Kommentare sind nahezu identisch- nur der Absender wechselt seine Namen, hahaha….oder ist OUD jetzt der neue Friseur ? Das Pseudonym ?

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