Vom Dauercamper zum Auftragsgriller

Während pünktlich zum Frühlingsanfang in Leipzig die Schneeflocken tanzen, mache ich mich auf den Weg zum Haus Auensee, wo ich meinen heutigen Hauptact treffe. Seit Ende Oktober tourt der kochende Sven mit den knackigen Jungs der Stripper-Gruppe „Sixx Paxx“ durch Deutschland, die Schweiz und Österreich.

Wohnen auf Rädern

Weit nach Mitternacht, wenn der Busfahrer hinterm Lenkrad sitzt und die nächste Stadt ansteuert, verkriecht sich der 36-Jährige im Doppeldecker in sein Bett und zieht den Vorhang zu. Ende März endet der Show-Zirkus nach 80 Stationen. Dann kehrt der Familienvater erst einmal wieder zurück ins heimische Gröben nach Sachsen-Anhalt.

 


Das rollende Gefährt, das Sven und die Crew viele Wochen lang beherbergt, ist 14 Meter lang. Eine Zuhause auf Zeit – und ich erhalte exklusiven Einblick ins Tourbus-Leben. Hier zieht sich die 14-köpfige Mannschaft aus Veranstaltungstechnikern, Stagehands (die sind verantwortlich für den Bühnenaufbau), einer Schneider- und Wäscherin sowie der Produktionsleiterin nach getaner Arbeit oder in den Pausen zurück – und genießen ein klein wenig Privatsphäre.

Einblick in den Tourbus der Crew

In der 15 Quadratmeter großen Lounge im unteren Bereich sorgen helle Ledersessel und zwei Couchs für angenehme Feierabende, es gibt einen Kühlschrank, eine Mikrowelle und einen Kaffeeautomaten sowie eine Toilette mit Waschgelegenheit. Im oberen Teil des Busses befinden sich kleinere Gepäckablagen und die Betten – Männer und Frauen schlafen getrennt.

Damit das Zusammenleben auf engstem Raum auch funktioniert, sind ein paar Regeln einzuhalten: Im Bus herrscht absolutes Rauchverbot und das WC an Bord ist nur fürs kleine Geschäft gedacht. Zudem darf der Innenraum nur in Hausschuhen oder Badelatschen betreten werden. Die „stinkigen“ Arbeitsschuhe müssen im Kofferraum lagern. Mit den Liebsten daheim wird ausnahmslos in der Lounge telefoniert, denn auf dem Deck ist absolute Ruhezone.

Kochen für Marc Terenzi & Co.

Der Mann mit der dunklen Kochjacke sorgt von morgens bis abends, meist 16 Stunden lang, für das leibliche Wohl des ganzen Teams inklusive der 14 muskelbepackten Boys, die Abend für Abend für die Frauen tanzen – und viele Kalorien verbrennen. Sechs bis acht Kilogramm Fleisch, drei Kilo Reis, Vollkornnudeln, rote Linsen, Couscous oder Quinoa, sechs Kilo Gemüse und vier Kilogramm Obst verdrücken alle 28 Beteiligten am Tag.„Ich achte auf gesunde Ernährung, zudem gibt’s in der Showpause am Abend meine selbstgemachten grünen Smoothies“, erzählt Sven. Der Star der Show „Sexxy Circus“ ist übrigens Marc Terenzi, Ex-Mann von Sängerin Sarah Connor und Ex-Dschungelkönig, der jetzt als singender Stripper auf der Bühne unterwegs ist.

Campen am Kulki

Ein bisschen bodenständiger wirkt dagegen der gebürtige Leipziger Sven, der schon als Baby bis zum elften Lebensjahr den Kulkwitzer See stets in Sichtweite hatte, denn seine Eltern waren passionierte Dauercamper. „Von April bis Oktober waren der Wohnwagen mit Windfang und kleinem Garten unsere vier Wände. Diese Erfahrung macht es mir leicht, 24/7 mit den Kollegen in einem Bus zu wohnen.“

So kam die Karriere ins Rollen

Erstmalig ging es für den Miet-Koch vor zwei Jahren mit den sexy Jungs auf Tour: „Ich erinnere mich noch gut an mein erstes Mal. Alles begann 2014 am Hainer See, wo ich für eine Surfschule das Catering organisiert hatte.“ Zufällig sei ein Tonmann vor Ort gewesen, der ihn für das Festival „Die Mega 90er Live“ buchte. Er kochte für Caught in the Act, 2 Unlimited, Snap! und für viele andere Stars der Eurodance- und Boygroup-Ära. „Irgendwann erhielt ich einen Anruf, dass ich bei den Sixx Paxx gebraucht werde – allerdings schon am nächsten Tag“, plaudert der ausgezeichnete Grillmeister und ließ sich nicht lange bitten.

Gelernt hat er das Handwerk übrigens im Leipziger Lindner-Hotel. Dann war er Jungkoch im Victor’s Residenz Hotel, Küchenchef im Café Sinfonie, stand am Herd im Café Tatort und seit sieben Jahren ist er als selbstständiger „Auftragsgriller“ mit seinem Catering-Unternehmen unterwegs.

360-Grad-Panorama aus der Lounge

Einige Gedanken zu “Vom Dauercamper zum Auftragsgriller

  1. Andreas

    Richtig cool. Da hat man etwas, was man den Enkeln mal erzählen kann :-) Wenn man jung und fit ist, steckt man auch ein unkonventionelles Bett weg.

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