Wohnen am Kreuz

Diesmal geht es für mich hoch hinauf: In der fünften Etage eines alten Mietshauses im Leipziger Süden erwartet mich Silke, 53 Jahre jung und offen für mein Wohnprojekt. Seit zwei Jahren lebt sie in ihrer Traumwohnung unterm Dach – 110 Quadratmeter auf zwei Etagen mit Ausblick.

Daheim in der Lieblingsstadt

Geboren und aufgewachsen ist sie im einstigen Karl-Marx-Stadt. Als Jugendliche kam sie meist zum Shoppen in die Pleißemetropole. „Für mich ist Leipzig die schönste Stadt Mitteldeutschlands, vor Chemnitz und Dresden“, plaudert Silke, die für Klein-Paris das sächsische Manchester vor 16 Jahren verließ.

In ihrer Wahlheimat hat sie zwei Leidenschaften vereint – ihre berufliche Tätigkeit in einer Bank und die Malerei, in der sich die Autodidaktin in der Freizeit austobt. Und das im wörtlichen Sinne! Am liebsten mit Spachtelmasse, die sie effektvoll auf die große Leinwand bringt. Angefangen hat die gelernte Industriekauffrau vor vielen Jahren mit einem Schwarz-Weiß-Bild auf einer 30 mal 30 Zentimeter großen Fläche, damals noch gemalt – ganz brav mit Pinsel und Acryl. Malen mit Öl ist dagegen noch nie ihr Ding gewesen, dafür sei sie zu ungeduldig, plaudert die temperamentvolle Blondine.

Abstraktes in Connewitz

Als sie das erste Mal im Jahr 2016 die Maisonnette-Wohnung im Stadtteil Connewitz betrat, wusste sie sofort, dass sie für dieses vier Wände etwas schön Verrücktes braucht. „Ich bin schon früher durch Ausstellungen gebummelt, förmlich in die Bilder hineingekrochen und dann habe ich an der Staffelei angefangen, meine Ideen und Emotionen künstlerisch umzusetzen. Über die Jahre bin ich gewachsen und habe mich weiterentwickelt“, sagt die Bankangestellte. Sie mag die Malerei des US-Amerikaners Jackson Pollock, dessen abstrakte Bilder sie in New Yorker Galerien bewundern konnte… und sie hat ein Faible für die Bilder des noch lebenden deutschen Künstlers Gerhard Richter.

 

Als geselliger Mensch hat Silli, wie sie von ihren Freunden liebevoll genannt wird, natürlich einen großen hölzernen Esstisch mit alten Stühlen von Oma, die so manche Geschichte erzählen könnten. Vielleicht auch jene von der jüngsten, legendären Homeparty. 35 Leute feierten eine ganze Nacht lang in der gemütlichen Bleibe über den Dächern der Stadt. In der oberen Etage, die die Hausherrin über eine Treppe mit Stahlgeländer erreicht, befinden sich das elegant eingerichtete Schlafzimmer in den Farben grau, weiß und rot, das geräumige Tageslicht-Bad und auf die Galerie samt praktischem Schreibtisch-Arbeitsplatz.

Rundblick in 360 Grad

 

Willkommen in Plagwitz

Einen Rückzugsort bietet ihr seit zwei Jahren ein Atelier in der ehemaligen Mitteldeutschen Kammgarnspinnerei, das sie sich mit einer kreativen Leipzigerin teilt. Auf dem alten Plagwitzer Industriegelände lässt die Künstlerin ihren 40-Stunden-Bürojob hinter sich, taucht ein in die Welt der Farben und Strukturen, die sie über alles liebt. Beim nächsten Kammgarnspinnereifest am 15. September wird Silke die Tür zu ihren Arbeitsräumen öffnen.

5 Gedanken zu “Wohnen am Kreuz

  1. Friseur Kleinekorte.

    Sehr schöne Innenausstattung zusammengestellt und stimmig. Chapeau! Wohnung ist gut geschnitten.

  2. Monika51

    Ganz toll eingerichtete Wohnung!Genau mein Stil.Viel Mut zur Farbe und zur Einrichtung!Man kann sich sofort wohlfühlen!

  3. Christine u. Klaus

    Ganz tolle Darstellung einer überdurchschnittlichen Wohnung.
    Viel Geschmack u. Rafinesse.

  4. AnnBohNetGro

    Gefällt mir wirklich gut. Die Wand hinterm Esstisch ist der Hammer! Viele kreative Ideen, toll umgesetzt, ohne dass es überfrachtet wirkt. Gut gemacht!

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